Jahrelang lieferten sich Telefonhersteller ein Wettrennen darüber, wer die Handykameras mit den meisten Megapixel auf den Markt bringen würde. Aufgrund der geringen Größe der Telefonsensoren kann die Anzahl der Megapixel jedoch keinen großen Unterschied mehr machen, weshalb sich der Fokus mehr auf die Sensoren verlegt hat. Manche Smartphones haben bereits vier rückwärts gerichtete Sensoren integriert. LG plant jedoch, diese noch bei weitem zu übertreffen: In einer aktuellen Patentanmeldung stellt LG ein Handykonzept mit 16 Sensoren vor.

Dual-Kamera-Einrichtungen in Smartphones erschienen während der kurzen Ära von 3D-Handys. Tatsächlich war LG eines der ersten Unternehmen mit zwei Kameras an seinem erfolglosen Optimus 3D. Mit diesem Handy wurden zwar 3D-Fotos aufgenommen, diese sahen aber nur auf seinem eigenen Display gut aus und sonst nirgendwo. Als 3D-Handys wieder ausstarben, blieben Multi-Kamera-Designs jedoch erhalten. HTC stattete das One M8 mit einer zweiten Kamera als Tiefensensor aus, welcher ähnlich zu vielen Handys von heute ist. Die Tiefeneffekte waren jedoch fehlerhaft – es waren weitere zwei Jahre nötig, um auch nur zwei Kameras sinnvoll für den Benutzer zu machen.

LGs neues Kamerapatent ist auf gewisse Art und Weise ein Rückblick zu den 3D-Tagen. Mit 16 Linsen in einer 4×4-Matrix, soll das Konzepthandy mehrere Fotos gleichzeitig von verschiedenen Winkeln machen. Laut der Patentierung glaubt LG, dass Handys mit diesen Linsen auf einer flachen Oberfläche wie bei einem traditionellen Smartphone oder einer Konkavlinse hergestellt werden können. Letzteres könnte interessanter sein, da es 3D-Informationen über eine Szene liefern würde.

Fotos, die momentan auf einem Handy gemacht werden, auch von Geräten mit originellen Tiefensensoren oder Telephoto-Linsen, sind flach. Die Information des Bildes ist ganz in der 2D-Abbildung zu sehen. Das erfinderische Handy in der LG-Patentierung könnte Informationen über ein Subjekt von mehreren Winkeln sammeln, was es Ihnen erlauben würde, das Endprodukt zu verändern. Sie könnten zum Beispiel verschiedene Teile des Bildes mit Daten eines anderen Sensors ersetzen, um zum Beispiel ein Blinzeln zu korrigieren oder komplett die Perspektive eines Objekts zu verändern.

Smartphone-Hersteller patentieren andauernd theoretisch zukünftige Technologien, aber diese scheint nicht komplett außerhalb des Möglichen zu sein. Wir sehen bereits Handys mit vier Hauptkameras und mehr Kameras bringen noch mehr Funktionalität. Aufgrund der limitierten Größe von Smartphones ist es einfacher, mehrere Sensoren an das Gerät anzubringen, als eine einzige, größere Linse, die man verstellen kann – wie das bei wirklichen Kameras der Fall ist. Trotzdem wird dieser drastische Versuch, so viele Sensoren hinzuzufügen, LG wahrscheinlich nicht dabei helfen, Ihren stockenden Markt für Handys wieder auf die richtige Bahn zu bringen. Googles Pixel-Telefone haben nur einen rückwärts gerichteten Kamerasensor und trotzdem bieten sie die beste Fotografie-Erfahrung aller Android-Telefone. 3D-Bilddata zu generieren wird nicht viel nützen, wenn sie dies nicht mit computerbasierter Fotografie-Technologie unterstützen können, um aus der Idee mehr als nur eine Schlagzeile zu machen.